
Einführung
Verletzungen des Plexus brachialis sind Prüfungsfavoriten, weil sie von Ihnen verlangen, Anatomie, Trauma-Mechanismus und Mustererkennung zu kombinieren. Anstatt Listen auswendig zu lernen, können Sie die meisten Läsionen in wenigen Sekunden lokalisieren, wenn Sie verstehen, wie Zugkräfte, Kompressionen und Frakturen bestimmte Abschnitte des Plexus beeinflussen. Dieser Artikel bietet schnelle, hochrelevante klinische Merksätze mit direkten Links zur Kernanatomie für eine rasche Wiederholung.
Schnelle Auffrischung zum Plexus brachialis
Der Plexus brachialis wird aus den ventralen Ästen von C5–T1 gebildet. Er ist in Wurzeln, Trunci, Divisionen, Faszikel und Endäste gegliedert. Wurzeln und Trunci liegen im Hals, Divisionen hinter der Klavikula und die Faszikel in der Axilla.
Zum schnellen Orientieren sehen Sie sich an:
- Wurzeln und Trunci → C5–T1-Wurzeln sowie oberer, mittlerer und unterer Truncus
- Divisionen und Faszikel → anteriore und posteriore Divisionen, die laterale, mediale und posteriore Faszikel bilden
Alle klassischen Traumamuster beruhen darauf, dass einer dieser Abschnitte gedehnt oder komprimiert wird.
Merksatz 1: Erb-Lähmung bedeutet Zug nach unten auf C5–C6
Die Erb-Lähmung ist die typische Läsion des oberen Truncus (C5–C6). Sie entsteht nach einer übermäßigen Distanzierung zwischen Kopf und Schulter, wodurch die oberen Elemente des Plexus in der Nähe der C5–C6-Wurzeln und des oberen Truncus gedehnt werden.
Wichtige Untersuchungsbefunde
- Der Arm hängt in der klassischen „Kellnerhaltung“.
- Verlust der Schulterabduktion (Supraspinatus, Deltoideus) und Außenrotation (Infraspinatus, Teres minor).
- Schwäche der Ellbogenflexion (Bizeps brachii, Brachialis – N. musculocutaneus).
- Unterarm oft in Pronation gehalten.
Merksatz: Wenn Abduktion und Außenrotation der Schulter fehlen, aber Handgelenks- und Fingerextension erhalten sind, handelt es sich eher um eine oberer-Truncus-Läsion und nicht um eine distale Nervenläsion.
Merksatz 2: Klumpke-Lähmung beginnt in der Hand, nicht in der Schulter
Die Klumpke-Lähmung ist eine Läsion des unteren Truncus (C8–T1), verursacht durch starke Zugkräfte nach oben (z. B. Festhalten beim Sturz, Beckenendlage). Sie betrifft die unteren Abschnitte des Plexus, wo der untere Truncus gebildet wird.
Wichtige Untersuchungsbefunde
- Ausgeprägte Schwäche der intrinsischen Handmuskeln mit deutlicher Krallenstellung.
- Schwache Fingerflexion (langsame Flexoren teils C8–T1).
- Sensibilitätsverlust an medialem Unterarm und medialer Hand.
- Mögliches Horner-Syndrom bei Beteiligung sympathischer Fasern.
Merksatz: Wenn die Hand deutliche Auffälligkeiten zeigt (Atrophie, Krallenstellung), Schulter und Ellbogen aber weitgehend normal sind, denken Sie an den unteren Truncus.
Merksatz 3: Axillaris-Läsion hat ein einziges typisches Areal
Der N. axillaris verläuft um den Collum chirurgicum humeri und ist bei Schulterluxationen und chirurgischen Halsfrakturen besonders gefährdet. Anatomie und Klinik sind unter klinische Korrelation des N. axillaris dargestellt.
Wichtige Untersuchungsbefunde
- Verlust oder starke Schwäche der Abduktion zwischen 15–90°.
- Abgeflachte Schulterkontur durch Deltoidusschwund.
- Sensibilitätsverlust im „Regimentabzeichen“-Bereich.
Merksatz: Nach jeder Schulterluxation Abduktion und laterale Schultersensibilität testen.
Merksatz 4: Läsionsmuster des N. radialis hängt strikt vom Niveau ab
Der N. radialis zieht von der Axilla durch die Rinne des Humerus und weiter in den Unterarm. Jede Region weist ein charakteristisches Läsionsmuster auf. Details stehen unter klinische Korrelation großer Armnerven.
Hohe Läsion (Axilla)
- Typisch: falsche Nutzung von Krücken.
- Fallhand mit Verlust der Fingerextension.
- Sensibilitätsverlust auf Handrücken und dorsalem Unterarm.
Mittlere Läsion (Sulcus nervi radialis)
- Klassisch nach Humerusschaftfraktur.
- Fallhand bleibt bestehen, Trizeps meist erhalten.
Hinterer Interosseusnerv
- Schwäche oder Verlust der Fingerextension.
- Keine Sensibilitätsdefizite.
Merksatz: Fallhand mit Sensibilitätsverlust = proximale Läsion. Fallhand ohne Sensibilitätsverlust = distale Läsion.
Merksatz 5: Medianus-Läsion – Oppositionstest ist am schnellsten
Der N. medianus verläuft durch die Fossa cubitalis, den Unterarm und den Karpaltunnel. Klinische Muster sind unter klinische Korrelation großer Armnerven dargestellt.
Hohe Läsion (Ellbogenregion)
- Oft nach suprakondylärer Humerusfraktur.
- Verlust der Pronation.
- Schwache Flexion mit ulnarer Abweichung.
- „Schwurhand“ beim Faustschluss.
Niedrige Läsion (Karpaltunnel oder Verletzung am Handgelenk)
- Thenaratrophie.
- Verlust der Opposition.
- Sensibilitätsverlust an radialen 3½ Fingern.
Merksatz: Daumenopposition zuerst testen.
Merksatz 6: Ulnaris – je distaler die Läsion, desto stärker die Krallenstellung
Der N. ulnaris ist am Epicondylus medialis und im Guyon-Kanal gefährdet.
Hohe Läsion
- Weniger ausgeprägte Krallenstellung.
- Schwäche der Interosséi.
- Sensibilitätsverlust an ulnarer Hand.
Niedrige Läsion
- Deutliche Krallenstellung.
- Markante Atrophie der Interosséi.
- Ähnliche Sensibilitätsdefizite.
Merksatz: Deutliche Krallenstellung bedeutet eine distale Läsion.
Merksatz 7: Supraklavikuläre vs. infraklavikuläre Läsionen folgen der Klavikula
Die Klavikula trennt Läsionen der Wurzeln/Trunci von Läsionen der Faszikel/Endäste.
Supraklavikulär
- Meist Hochenergie-Trauma.
- Betroffen: Wurzeln und Trunci.
- Breite Muskelschwäche und Sensibilitätsverlust.
Infraklavikulär
- Häufig bei Schulterluxation.
- Betroffen: Faszikel oder Endäste.
- Muster folgen einzelnen Nerven.
Merksatz: Verstreute Defizite über mehrere Nerven hinweg sprechen für den Plexus.
Merksatz 8: Diffuse Schmerzen sprechen für Plexus, nicht für einzelne Nerven
Periphere Nervenläsionen verursachen umschriebene Sensibilitätsdefizite. Plexusverletzungen dagegen diffuse, schlecht lokalisierbare Schmerzen.
Merksatz 9: Erst der Mechanismus, dann der Nerv
In Prüfungen lokalisiert man am schnellsten, indem man mit dem Mechanismus beginnt und diesen dem wahrscheinlichsten Läsionsniveau zuordnet.
- Kopf von Schulter weg gedrückt → oberer Truncus (Erb).
- Arm nach oben gerissen → unterer Truncus (Klumpke).
- Schulterluxation → N. axillaris.
- Humerusschaftfraktur → N. radialis.
- Suprakondyläre Humerusfraktur → Medianus + A. brachialis in der Fossa cubitalis.
- Epicondylus medialis-Fraktur → hoher Ulnaris.
Merksatz 10: Motorik ist zuverlässiger als Sensibilität
Motorische Tests wichtiger Muskelgruppen liefern schneller eine präzise Topografie als Sensibilitätstests.
Zusammenfassung
Verletzungen des Plexus brachialis werden deutlich leichter, wenn Sie sie an drei Punkten festmachen: der Topografie des Plexus, der Richtung der Krafteinwirkung und zentralen motorischen Befunden.